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Baden-Württemberg e.V.
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Waldkarte Baden-Würtemberg
Verschiedenes
Ein Nationalpark im Schwarzwald ist unsinnig
"Schatzhauser im grünen Tannenwald,
Bist schon viel hundert Jahre alt,
Dein ist all Land wo Tannen stehn,
Lässt Dich nur Sonntagskindern sehn,"
so ruft in Wilhelm Hauff´s Märchen "das kalte Herz" der Kohlenmunk - Peter das mystische Glasmännlein, auf dass es ihm 3 Wünsche erfülle.
Die romantische Sage von der Suche nach dem Glück ist allseits bekannt und beschreibt den Schwarzwald als geheimnisvolles, legenden - umwobenes Mittelgebirge in dem das Leben der Flößer, Köhler, Glasmacher und Holzhändler im Mittelpunkt steht. Jahrhunderte lang gelebte Tradition in einzigartiger Naturschönheit ist ein Anziehungspunkt für viele Menschen aus der ganzen Welt - die Ferienregion Schwarzwald gibt ihren Gästen ein Qualitätsversprechen, das sie schon seit langer Zeit zu halten vermag :
Der Schwarzwald ist so individuell wie man selbst, hier kommt man zu Fuß ins Glück. Oder auf Skiern, auf dem Motorrad oder Mountainbike.
Der Schwarzwald ist so individuell wie man selbst, hier kommt man zu Fuß ins Glück. Oder auf Skiern, auf dem Motorrad oder Mountainbike.
Die Möglichkeiten die Täler und Höhen, Seen und Flüsse der Region zu erkunden, oder sich in den vielen Luftkurorten und Heilbädern inmitten und am Rande des Mittelgebirges zu erholen, sind vielfältig.
Der Schwarzwald - weltweit bekannt für seine ganz eigene Schönheit, abwechslungsreich strukturierte Landschaft und natürlich speziell bekannt für seine großen Wälder im Norden und für die freien Höhen im Süden braucht nun unbedingt mehr Wildnis. Und zwar in einer ganz bestimmten Form; so, wie man sie von der öffentlichen Meinung des Naturschutzes auf einem Tablett serviert bekommt - ein Blick in die Zeitung und jedermann weiss, dass das allround - Instrument für mehr Wildnis das ausführlichst propagierte Instrument zur Unterschutzstellung einer Landschaft, der Nationalpark ist.
Denn es geht um : Prozeßschutz, bei dem sich große Waldflächen ohne jegliches menschliches Einwirken selbst entwickeln können, man will der Natur freien Lauf lassen. Um internationalen Richtlinien der IUCN (International Union for Conservation of Nature)nachzukommen, müssen mindestens 3/4 der Fläche eines Nationalparks einem weitgehend naturnahen Zustand entsprechen und es darf auf ihnen keine dem Schutzzweck entgegenstehende Nutzung stattfinden. Für Nationalparke in Deutschland wird eine Mindestgröße von 100 km² empfohlen.
Das hört sich doch zunächst gut und erstrebenswert an, denn mit einem Nationalpark gehen auch hohe Erwartungen an einen Mehrwert für die Region und die betroffenen Gemeinden einher, die in Baden - Württemberg noch fehlende Verkaufsmarke Nationalpark soll mehr Besucher in den Schwarzwald locken.
Nur, was genau bedeutet es eigentlich, eine Jahrhunderte lang geprägte Kulturlandschaft, eine von Menschenhand geschaffene Landschaft sich selbst zu überlassen ?
Die Sache hat, mal genau betrachtet, mindestens einen Haken. Nämlich das verklärte Bild von einem Nationalpark, das die meisten Menschen mit dem Wort Wildnis unweigerlich in ihren Köpfen aufbauen. Und wieder ein Blick in die Zeitung bestätigt, dass diese Vorstellungen von künftigen Bildern mit gesunden, kräftigen Baumriesen, gepflegten Waldwegen und grünen Lichtungen auf denen man Auerhühner beobachten kann von selbsternannten Naturschützern bedient werden. Eigentlich muss man sie propagierte Bilder nennen, denn diese Bilder haben mit der sich abzeichnenden Wirklichkeit in einem Nationalpark, die man sich schön reden will, nichts zu tun. Oder wurde schon jemals Werbung für einen Nationalpark mit realistischen Bildern betrieben, auf denen riesige Totholzflächen kahle Holzwüsten zeigen, die Folge eines Prozessschutzes sind, bei dem mehrere tausend ha von Borkenkäfern zerfressen wurden?
Wollen wir uns eigentlich weiterhin permanent vorgaukeln lassen, es gebe weiterhin nur ausschließlich positiv wirkende Waldbilder mit saftig grünen Bäumen und vielen schönen Pflanzen und Tieren, die um uns herumspringen? Welcher Schwarzwald - Besucher kann und mag denn diesen Prozessschutz, in dem es lange Zeiträume braucht, damit sich ein von Insekten zerfressener Waldteil wieder erholt, Wert schätzen und toleriert er Landschaftsstriche, in denen ausser grauen, natürlich zerfallenen und zerfressenen Fichten - Überresten, die verkümmert und trostlos in die Landschaft ragen, quasi nichts wächst?
Wollen wir solche Szenarien, wie sie sich im Nationalpark Bayerischer Wald sichtbar und erlebbar eingestellt haben, von der mächtigen Naturschutz - Lobby einfach wegleugnen lassen?
Oder setzt der Naturschutz und der Tourismus voraus, dass jeder einzelne Besucher Symphatie für Zerfalssprozesse entwickelt
und begeistert von der Idee ist, dass die Totholzflächen ja vielleicht in 100 Jahren wieder grün und belebt aussehen? Hat ein Besucher Verständnis dafür, dass man das Auerhuhn nicht mehr beobachten kann, weil offene Flächen (die das Auerwild braucht) sich irgendwo einstellen, fernab irgendwelcher Wege, die man nicht verlassen darf?
Den faulen Zahn eines der Wirklichkeit entrückten Naturbildes muss man dem oft nicht aufgeklärten Zeitungsleser ziehen.
Doch vor allem den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort muss klar sein, dass sie mit all den Erwartungen, die an einen Nationalpark geknüpft sind tagtäglich umgehen werden müssen. Denn vor unserer Haustüre wird es diese verwässerte Wildnis die nicht zum Anfassen gedacht ist geben, dort verkompostieren die traditionell nachhaltig bewirtschafteten Fichten -/Tannenwälder, die als tote Flächen keine Co2 - Speicherung mehr leisten können, dort wird einem Gebiet Rohstoff entzogen, das bekannt für seine traditionelle Holzbauweise und für die Verarbeitung von heimischem Holz vor Ort ist.
Es wird quasi ein Zaun um eine Jahrhunderte lang geprägte Kulturlandschaft gezogen, der die ansässige Bevölkerung aussperrt. Auch die Planungshoheit ansässiger Gemeinden wird auf lange Sicht untergraben werden und gewachsenen, für die Region wichtigen Wirtschaftszweigen wird der Boden unter den Füßen weggezogen, denn zumindest dort wo Kernzonen entstehen, wird keine Erwerbswirtschaft mehr statt finden dürfen.
Jedwede mögliche Auswirkung auf umlegende Pufferzonen wird, zumindest nicht öffentlich in der Presse, weder aufgezeigt noch ist von irgendwelchen Bemühungen zu lesen, einmal objektiv finanzwirtschaftliche Auswirkungen zu untersuchen, die sich bei der Einrichtung eines Nationalparks ergeben könnten.
Übrigens können sich Brennholz - Werber natürlich ebenfalls auf einen Nutzungsverzicht im Wildnisgebiet gefasst machen.
Ob die Region, die seit jeher eine gewichtige Tourismusbranche hat, durch ein Totalreservat von einen Mehrwert profitieren wird, muss an dieser Stelle auch hinterfragt werden. Hier kann mal wieder der oft zum Vergleich herzitierte Nationalpark Bayrischer Wald beispielhaft aufzeigen : das Verkaufsetikett Nationalpark mag am Anfang einen positiven Effekt auf die Besucher haben,
der anfängliche Anstieg von Übernachtungen ebbt aber ab, wenn sich aus den artenreichen, stufig bewirtschafteten Wäldern ein Waldbild abzeichnet, das an abgestorbene Waldflächen zu Zeiten des Waldsterbens und sauren Regens erinnert.
Auf Wanderer und insbesondere auf mountainbike - Sportler wirkt eine sehr eingeschränkte Wegeführung in einem kanalisierten Wegesystem eher abschreckend und unattraktiv - sofern diese überhaupt in bestimmten Zonen nicht ganz ausgeschlossen werden. Ob für große, störungsarme Räume das vorhandene Wanderwegenetz ganz umgeplant werden muss, wie es belegbar im Nationalpark Bayerischer Wald der Fall war, weil das vorhandene Netz den Anforderungen nicht gerecht wurde, oder gar Wegerückbaumaßnahmen nötig sind, ist eine Planungsgröße, deren Ausmaß bei der gezielten Lenkung von Besuchern auf den Tisch gelegt werden muss.
Fest steht : in Sachen vorhandener Infrastruktur und Besiedlung der in Frage kommenden Flächen für einen Nationalpark hinkt der so oft herangezogene Vergleich zum Nationalpark Bayrischer Wald sehr - zwei völlig verschiedenen Landschaftsräumen wird oft dieselbe Ausgangslage unterstellt.
Der Schwarzwald ist auch eine wasserreiche Region.
Gesellschaftlich und volkswirtschaftlich ist die Sicherung einer hochwertigen Wasserversorgung immer ein primäres Thema. Abgesehen von den Wasserqualitäts - Ansprüchen für die berühmte Schwarzwaldforelle und die Einzugsgebiete zahlreicher Quellen, auch für die Mineralwassergewinnung , die für klares Gebirgswasser aus unberührten und intakten Quellen steht, spielt ein wachsender und gesunder Wald eine wichtige Rolle für das Grundwasseraufkommen. Wasser das in Waldgebieten gefördert wird, ist in der Regel schadstofffrei und kann in die Trinkwasserversorgung eingespeist werden. Tote Wälder können diese Schutzfunktion des Schadstofffilterns nicht oder deutlich schlechter leisten.
Man kann sich fragen : findet eigentlich in irgendeiner Form auch eine neutrale Aufklärung über die Auswirkungen statt, die die ansässige Bevölkerung zu tragen hat, wenn solch langfristige Einrichtungen wie ein Nationalpark auf den Plan gerufen werden ?
Wollen die Menschen überhaupt einen Nationalpark vor ihrer Haustüre haben?
Werden die Menschen vor Ort eigentlich beteiligt, an irgendeiner Stelle, wenn es zum Beispiel darum geht, wo die besagten Flächen ausgewiesen werden, damit Betroffene überhaupt erst einmal ein Gefühl dafür entwickeln können, was auf sie zu kommt ?
Mit jeder Menge Bürgerbeteiligung und Anhörung der Bedürfnisse sollte man eigentlich rechnen können...

