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Verband der Säge- und Holzindustrie
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Waldkarte Baden-Würtemberg
Wissenschaftliche Betrachtung
Kurzgutachten
Sozioökonomische Aspekte und Aspekte des Klimaschutzes innerhalb
der
Diskussion um einen möglichen Nationalpark im Nordschwarzwald
In der Diskussion um einen möglichen Nationalpark Nordschwarzwald sind die Aspekte der Waldwirtschaft und Holznutzung bislang unzureichend thematisiert worden.
Prof. Dr. Arno Frühwald
Universität Hamburg
Dr. Marcus Knauf
Knauf Consulting
Dieses Kurzgutachten stellt die entsprechenden sozioökonomische Aspekte und Aspekte des Klimaschutzes dar und kann damit einen Beitrag zu dem von der Landesregierung bei PricewaterhouseCoopers (PwC) in Auftrag gegebenen Gesamtgutachten zu einem potenziellen Nationalpark leisten.
Ziel des Kurzgutachtens: Beitrag der Holzwirtschaft zum Gesamtgutachten von PwC mit dem Fokus auf soziökonomischen Effekten und
Klimaschutz
In
der Diskussion um einen möglichen Nationalpark Nordschwarzwald
sind die Aspekte der Waldwirtschaft und Holznutzung
bislang unzureichend thematisiert worden.
Fazit: Holzbereitstellung
Es wird davon ausgegangen, dass durch die Einrichtung eines Nationalparks Nordschwarzwald mittel- und langfristig eine Rohholzmenge von 50.000 Efm/Jahr (überwiegend Nadelstammholz) nicht mehr zur Verfügung steht (Angabe von Landesforstpräsident Max Reger).
Bei Erhöhung des Hiebsatzes und
Einbringung schnellwachsender Nadelbaumarten (und
ggf. weiteren Maßnahmen des Waldmanagements) kann das
potenziell nutzbare Holzvolumen auf der Fläche langfristig sogar
70.000 bis 100.000 Fm/Jahr betragen.
Im Gutachten wird aber auf Basis der Angaben von Reger gerechnet. Die nicht
mehr bereitgestellte Holzmenge steht anderenorts nicht zusätzlich zur
Verfügung und fehlt damit für den Einschnitt zu
Schnittholz und die Weiterverarbeitung. Damit gehen
ökonomische Wertschöpfung und Vorteile in der Klimaschutzwirkung
verloren.
Das
möglicherweise innerhalb eines Übergangszeitraums von 30
Jahren bereitgestellte Holz aus dem Entwicklungsnationalpark wird
im Gutachten qualitativ bewertet.
Quantitativ wird
es nicht berücksichtigt, weil es nicht langfristig und nachhaltig (und ggf. auch nicht in marktorientierter Sortimentsstruktur) zur Verfügung steht.
Fazit: Sozioökonomische Effekte
Dem
Grundgedanken des Clusteransatzes folgend werden in diesem
Gutachten die sozioökonomischen Effekte dargestellt, die
auf direkter und indirekter Wertschöpfung der langfristig
nicht mehr bereitgestellten Holzmenge basieren. Zusammengefasst
ergeben sich für einen Holzeinsatz von 50.000
Efm (plus 7,500 Fm Waldrestholz, Rinde)
- ein direkter und indirekter Wertschöpfungseffekt in der Holz-/Energiewirtschaft von ca. 46 Mio. Euro, je m³ 810 Euro,
- eine Zahl von ca. 610 Arbeitsplätzen ohne Forstwirtschaft bzw. ca. 670 inkl. Forstwirtschaft, d. h. ca. 1 Arbeitsplatz je 85 Fm genutzten Holzes.
Fazit: Klimaschutz
Kann
in einem kurzen Zeitraum noch davon ausgegangen werden,
dass Naturschutzmaßnahmen mit der Etablierung eines
Nationalparks und Klimaschutzmaßnahmen wirkungsgleich verlaufen,
so ist dies in einer langfristigen Perspektive nicht
mehr der Fall. Die Opportunitätsemissionen, also die Emissionen,
die nicht mehr vermieden werden, weil ein Nationalpark eingerichtet
wird, betragen langfristig 90.000
t CO2/Jahr. Dies
entspricht den heutigen durchschnittlichen CO2-Emissionen von 18.000 Bewohnern der Region
Nordschwarzwald (bzw. den heutigen durchschnittlichen CO2-Emissionen von 25.000 Bewohnern des Landkreises Calw).
Langfristig ließe sich diese Klimaschutzleistung durch
Maßnahmen des Forstmanagements (z. B. Baumartenwahl; s. o.) weiter steigern.
Gesamtfazit
Es
wird davon ausgegangen, dass durch die Einrichtung eines Nationalparks
Nordschwarzwald mittel- und langfristig eine Rohholzmenge
von 50.000 Efm/Jahr (überwiegend Nadelholz) nicht
mehr zur Verfügung steht. Die nicht mehr bereitgestellte Holzmenge
steht anderenorts nicht zusätzlich zur Verfügung
und damit auch nicht für den Einschnitt zu Schnittholz
und die Weiterverarbeitung.
Damit gehen mehr als
45 Mio. Euro/Jahr direkte und indirekte ökonomische Wertschöpfung
(entsprechend 600 bis 700 Arbeitsplätze) und
Vorteile im Klimaschutz (Emissionsvermeidung von 90.000
t CO2/Jahr) verloren.
In
einer Gesamtbewertung, die hier nicht angestellt wird, sind
alle sozioökonomischen Aspekte eines Nationalparks (z.
B. aus Tourismus) den negativen Effekten (geringere Wertschöpfung
wie auch negative Beschäftigungseffekte in der
Forst-, Holz- und Energiewirtschaft) gegenüberzustellen.
Allerdings ist zu berücksichtigen, dass die sozioökomischen Effekte aus privatwirtschaftlicher und staatlicher Tätigkeit getrennt betrachtet werden müssen. Bei den hier ausgewiesenen Werten zu Wertschöpfung und zu Arbeitsplätzen handelt es sich um Effekte, die aus wirtschaftlicher Tätigkeit entstehen und (weitgehend) keine Subventionen enthalten.
Bei staatlich geschaffener Beschäftigung (z. B. Nationalparkverwaltung) werden öffentliche Mittel(Land, EU etc.) eingesetzt.
Diese dauerhaft (teil-)subventionierten Arbeitsplätze sollten nicht mit den Arbeitsplätzen gleichgesetzt werden, die sich aus privatwirtschaftlicher Tätigkeit ergeben.
Bei Einrichtung eines Nationalparks wird langfristig auf die oben genannten positiven Effekte verzichtet, dagegen können bei Beibehaltung einer nachhaltigen Waldwirtschaft immer auch Belange des Naturschutzes berücksichtigt werden („integrierter Naturschutz“).
D. h., die sozioökonomischen Ziele und Klimaschutzziele müssen dem Naturschutz nicht entgegenstehen, sondern lassen sich vereinen – und zwar in Konzepten einer multifunktionalen Waldwirtschaft, die sowohl Holznutzung als auch Naturschutz (auch auf gleicher Fläche) ermöglichen. Ein Nationalpark wird hingegen den Zielen des Naturschutzes gerecht, nicht jedoch dem Ziel Klimaschutz (zumindest nur in verringertem Umfang) und auch nicht den sozioökonomischen Zielen, wie sie in diesem Gutachten dargestellt sind.

