Waldgesamtrechnung - Ausgabe 2012
Am 28.11.2012 hat das Statistische Bundesamt Tabellen zu den Umweltökonomischen Gesamtrechnungen ausgegeben. Darin werden für die sektoralen Berichtsmodule Tabellen u.a. über die Waldgesamtrechnung veröffentlicht.
In Kapitel 13 werden die Daten für die Waldgesamrechnung dargestellt. Die Tabellen können bei
Destatis heruntergeladen werden.
Wald
Der Wald, den viele von uns als idyllischen Rückzugsort für den sonntäglichen Spaziergang nutzen, ist weit mehr als nur ein Ort der Stille und Erholung, als den wir ihn zumeist kennen und wahrnehmen. Bietet er den Menschen die Möglichkeit zu zahlreichen Freizeitbeschäftigungen, man denke nur ans Joggen oder das Grillfest auf dem Waldspielplatz, so bietet das Ökosystem Wald für Tiere und Pflanzen die Möglichkeit zu einer stabilen und vielfältigen Lebensgemeinschaft. Als riesiges Biotop bietet er hunderten verschiedenen Arten, vom Fliegenpilz hin zur großen Eiche, vom Eichhörnchen zum Eichelhäher, Lebensraum und Schutz. Des Weiteren ist er von großer Bedeutung für das regionale Klima, die Reinhaltung der Luft, Abwehr von Erosion und Schutz des Trinkwassers.
Hinzu kommt, dass er uns mit dem umweltfreundlichsten Rohstoff überhaupt versorgt:
dem Holz.
Dieses hilft uns, bei nachhaltiger und sinnvoller Bewirtschaftung der Wälder, andere Ressourcen wie Erdgas oder Erdöl zu schonen. Und dabei hat Holz auch noch sowohl eine einzigartig gute Öko- als auch Energiebilanz. Dies bedeutet, dass bei der Verwertung des Holzes kaum Abfallprodukte entstehen, die nicht mehr weiterverarbeitet werden können. Di e bei der Produktion des eigentlichen Gutes, also des Schnittholzes, anfallenden Nebenprodukte wie Späne und Hackschnitzel können so energetisch verwertet oder in Spanplatten und Zellstoffindustrie weiterverarbeitet werden. Außerdem liegt im Rohstoff Holz ein Vielfaches mehr an Energie gespeichert vor, als in Form fossiler Brennstoffe in seine Aufzucht und Produktion investiert wird.
Deutschland
Deutschland ist ein sehr waldreiches Land und verfügt über knapp 11 Mio. Hektar Waldfläche, was in etwa einem Drittel der Gesamtfläche der Bundesrepublik entspricht. Dabei finden sich in den deutschen Wäldern etwa 90 heimische Strauch- und Baumarten, zu denen vor etwa 150 Jahren weitere – ursprünglich fremdländische- Baumarten, wie Douglasien oder Roteichen hinzukamen.
Betrachtet man die Besitzverhältnisse, so kommt man auf etwa 46 % Wald in Privatbesitz, 20% Körperschafts- oder Gemeindewald und zu guter Letzt ungefähr 34 % Wald in Staatsbesitz, also in Besitz des Bundes oder der Länder. Durch die nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder, sowie natürliche Wiederbewaldung und gezielte Aufforstung landwirtschaftlicher Brachflächen konnte die Gesamtwaldfläche in den letzten Jahrzehnten eine Zunahme um etwa 700.000 Hektar erfahren. Die Waldfläche ist dabei sehr unterschiedlich auf die Gebiete Deutschlands verteilt – in den nördlichen Bundesländern bestehen große Teile des Waldes aus kleinen, zerstreuten Privatwäldern, in Süden und Westen der Republik findet man große zusammenhängende Waldflächen. Es gibt dicht besiedelte Gebiete mit wenig oder gar keinem Wald, aber auch relativ unbesiedelte Gegenden mit großen zusammenhängenden Waldflächen.
Um verlässliches Datenmaterial über die deutsche Waldstruktur und verschiedene waldbezogene Merkmale zu bekommen, wird regelmäßig eine Art Bestandsaufnahme der Waldflächen - die so genannte Bundeswaldinventur - durchgeführt. Das dort gewonnene Datenmaterial soll helfen die Nachhaltigkeit der Waldbewirtschaftung zu beurteilen und bildet die Grundlage für Forschung, Umweltpolitik und nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder.
Die erste Bundeswaldinventur fand bereits 1987 auf dem damaligen Gebiet der Bundesrepublik Deutschland statt. Aufgrund der Wiedervereinigung und der mangelnden Integrierbarkeit des Datenmaterials aus der ehemaligen DDR wurde eine erneute Inventur notwendig, um auch weiterhin über verlässliche Daten für die nun vereinigten Waldflächen verfügen zu können.
Aus diesen Gründen fand im Zeitraum der Jahre 2001 und 2002 die zweite Bundeswaldinventur statt. Diese bedeutete für die alten Bundesländer eine Wiederholungsaufnahme, während sie für die neuen Bundesländer die Erstinventur darstellt. Dies hat zur Folge, dass lediglich aus den Daten der alten Bundesländer Aussagen über Entwicklungen abgeleitet und Vergleiche angestellt werden können. Allerdings wurde die zweite Bundeswaldinventur im Vergleich auch noch um einige Erhebungsmerkmale erweitert. So wurden zusätzlich zu den Waldflächen auch Waldränder, Totholz sowie Baum- und Strauchvegetation in die Erhebung mit einbezogen.
Bezüglich der Nutzung der Wälder geht die BWI² (zweite Bundeswaldinventur) davon aus, dass in den alten Ländern im Zeitraum zwischen 1987 und 2002 etwa 50 Mio. Erntefestmeter pro Jahr geerntet wurden. Etwas anschaulicher bedeutet dies, dass die jährliche Ernte 25.000 Güterzüge (mit durchschnittlicher Ladung u. 20 Waggons/Zug) füllen würde. In Holztransport-LWK ausgedrückt wären dies in etwa 400 LKW pro Tag, was aufs Jahr gerechnet weit mehr als 990.000 Holztransportern entspräche.
Trotz der hohen Erntequoten stellt die BWI² für die Beobachtungsperiode fest, dass in den alten Ländern der Zuwachs der Wälder die Nutzung um 39 % übertroffen hat, was wiederum bedeutet, dass die Vorräte in den Wäldern deutlich angewachsen sind. Auf Waldflächen bezogen entspricht der Zuwachs ungefähr 54.000 Hektar (0,7 %) in der Beobachtungsperiode, umgerechnet also etwa 3.500 Hektar pro Jahr. Allerdings gelten diese Zahlen nur für die Gesamtentwicklung, also über alle Baumarten hinweg. Dies ist von daher erwähnenswert, da die Entwicklung nicht bei allen Baumarten gleich verläuft und es so unter anderem bei für die Holz- und Sägeindustrie relevanten Baumarten zu problematischeren Entwicklungen kommt.
Auch über das durchschnittliche Alter der Bäume in den Wäldern konnten interessante Aussagen gewonnen werden. So geht die BWI² trotz der Nutzung der Wälder und Sturmschäden von einem Anstieg des durchschnittlichen Alters um etwa 5 Jahre aus. Dies wird unter anderem durch die Zunahme der Flächenanteile höherer Altersklassen bedingt. So erfuhren die 41 bis 60-jährigen Bäume (3. Altersklasse), die zum Teil aus Nachkriegsaufforstungen herangewachsen sind und die ab 81-jährigen Bäume (ab 5. Altersklasse) einen merklichen Anstieg.
Die Durchführung der dritten und nächsten Bundeswaldinventur wurde auf Beschluss von Bund und Länder für die Jahre 2011 und 2012 festgesetzt. Diese Inventur wird dann auch für die neuen Bundesländer Vergleiche und die Erfassung etwaiger Entwicklungen ermöglichen.
Baden-Württemberg
Während die Waldflächen der nördlichen Bundesländer größtenteils aus kleinen zerstreuten Privatwäldern bestehen, finden sich im Süden und Westen eher große zusammenhängende Waldflächen. Zu diesen Gebieten zählt insbesondere Baden-Württemberg, welches gleichzeitig auch eines der waldreichsten Bundesländer überhaupt ist.
Der Grundsatz der nachhaltigen Bewirtschaftung spielt auch in der Forstwirtschaft in Baden-Württemberg eine zentrale Rolle. So soll zum Beispiel bei der Holzernte ein Kriterienkatalog dazu dienen, den eigentlichen Eingriff in den Naturhaushalt gering zu halten und das natürliche Gleichgewicht des Waldes nicht zu stören.
Rund 13.600 km² Wald, was etwa 38% der Landesfläche entspricht sind in den Wäldern Baden-Württembergs anzutreffen. Dabei gilt seit dem Beginn der Industrialisierung der Grundsatz, dass dem Wald nur so viel Holz entnommen werden soll, wie auch wieder nachwächst. Seit 1800 kam es so zu einer Zunahme von etwa 3.000 km², wobei allein in den vergangenen 10 Jahren durchschnittlich 3 km² Zunahme pro Jahr durch Erstaufforstung erzielt werden konnten. Hinzu kommen weitere Zuwächse durch Sukzession, also die natürliche Wiederbewaldung, des Waldes. Etwa 38% der baden-württembergischen Waldfläche – und somit der größte Teil - sind Gemeinde- und Körperschaftswald, 37 % sind Privatwald und weitere 24 % befinden sich in Besitz des Landes. Der Bund hingegen hat nur weniger als 1% des baden-württembergischen Waldes in seinem Besitz.
Den Privatwald teilen sich insgesamt etwa 260.000 Eigentümer, wobei in Großprivatwald (Waldstücke mit über 1.000 ha), mittleren Privatwald (200 bis 1.000 ha) und Kleinprivatwald (unter 200 ha Waldbesitz) unterschieden wird. Mit etwas mehr als zwei Drittel macht der Kleinprivatwaldbesitz den größten Anteil am Privatwald aus. Auf Großprivatwald besitz entfallen noch 25%, während der mittlere Privatwald mit 6 % nur einen sehr geringen Anteil ausmacht.
Baden-Württemberg zeichnet sich durch ein reiches Baumartenspektrum aus und kann somit der holzbe- und verarbeitenden Industrie ein breites Angebot verschiedener Holzarten bieten. Die wichtigste Rolle spielt hierbei Tannen- und Fichtenholz. Hinzu kommen Eichenholz, Buchenholz und Kiefernholz - sowie in geringeren Mengen - so genannten Edellaubhölzer, wie etwa Kirschholz.
Knapp 8 Mio. Festmeter Holz wurden im jährlichen Durchschnitt, bei Pflege und Bewirtschaftung geerntet. In den letzten Jahren lag der Einschlag sogar bei 10 Mio. Kubikmeter. Der gesamte Holzvorrat, also das Volumen an Stamm- und Astholz über 7 cm Durchmesser, der Wälder in Baden-Württemberg beträgt der Bundeswaldinventur zu Folge 471 Mio. Vorratsfestmeter (1 Festmeter entspricht 1m³).
Der Verkauf des Waldes, der sich im Besitz des Landes befindet, erfolgt über die unteren Forstbehörden sowie zentrale Einrichtungen der Regierungspräsidien Tübingen und Freiburg.
Die unteren Forstbehörden dienen zusätzlich nicht nur als Ansprechpartner, sondern vermitteln im Rahmen ihrer gesetzlichen Aufgaben auch den Kontakt zu rein privaten oder körperschaftlichen Waldbesitzern. In einigen Fällen führen Sie dann auch die Verkaufstätigkeit im Auftrag der Waldbesitzer aus.